Liebe Schwestern und Brüder!

 Mit dem Palmsonntag beginnen wir die Feier der Heiligen Woche, die eine große Spannbreite umfasst: Der Jubel beim Einzug in Jerusalem, das „Kreuzige ihn!“ des Karfreitags, die Stille des Karsamstags und die unglaubliche Botschaft des Ostertages: „Er ist auferstanden, er lebt“.

Die Feier dieser Tage vollzieht sich in diesem Jahr unter bedrückenden und traurigen Umständen. Für mich ist der Palmsonntag immer auch mit Bildern von Kindern verbunden, die kunstvoll gestaltete Palmstöcke in den Händen halten und sie zum Segen hoch über ihre Köpfe halten. Im Jahr 2020 wird es keinen Einzug der versammelten Gemeinde in unsere Gotteshäuser geben. Wie können wir trotzdem diese Festtage unseres Glaubens, wenn auch in anderer, ungewohnter Form, begehen?
Die Liturgie des Palmsonntages kann uns dabei eine Perspektive eröffnen: Dem Evangelium vom triumphalen Einzug in Jerusalem wird die Schilderung seines Leidens und Sterbens zur Seite gestellt. Beides, was doch so gar nicht zusammenzupassen scheint, Jubel und Leiden, Kreuz und Auferstehung, gehören unverzichtbar zu seinem Leben. Damit zeigt er auch uns einen Weg auf: offen, einfühlsam, den Menschen zugewandt, dabei auch schwierigen und leidvollen Situationen nicht von vornherein aus dem Weg gehend. Jesu Leiden und Sterben sind nicht das letzte Wort. Wie Jesus von den Toten auferweckt wurde, so soll es auch an uns geschehen.
Das gilt für die Auferstehung am Ende der Zeiten, aber auch für die vielen kleinen Auferstehungen während des Lebens: dann wenn ich einen Lichtblick sehe in Situationen der Verzweiflung, wenn ich spüre, ich kann für jemanden da sein, kann ihm helfen; wenn ich ein gutes Wort von einem Menschen höre, gerade zu einem Zeitpunkt, wo ich es dringend benötige. Solche Momente können Mut machen und helfen, die Hoffnung nicht zu verlieren.

Einen segensreichen Palmsonntag!

Pastor Stephan Scheve